Die Kraft der Sprache — oder «Tu parles le Bolze?»

La Stoll
2 min readJan 11, 2022

Vier Schweizer Landessprachen? Schon — aber da ist noch mehr: eine Fülle an Dialekten und Sondersprachen mit uralter Tradition. Zum Beispiel Bolze und Mattenenglisch. Ich bin mehrsprachig unterwegs. Und freue mich an der identitätsstiftenden, kreativen Kraft der Sprache. Hört rein.

Eine Fribourger Familie beim Abendessen: «Tu peux me passer le Sauz bitte? (Kannst du mir bitte das Salz geben?)». «Et pis toi Sophie, comment ça a été di Tag? (Wie war dein Tag Sophie?)». «I ha hüt as spannends Projekt uf d’pieds gschteüt (Ich habe heute ein spannendes Projekt aufgegleist). «Eh dis-donc, i wetti gär no bitz fromage de chèvre (Du, ich nehme gern noch etwas Ziegenkäse).» So tönt Bolze. Einmal Französisch, einmal Deutsch. Der kreative Umgang mit beiden Sprachen ist intuitiv und natürlich. Bolze als Mischung von Französisch und Deutsch entstand in der «Basse Ville» (Untere Stadt) des alten Freiburg als Sprache der Armen. Heute gilt sie als Kuriosum. Nur noch wenige Freiburger sprechen Bolze.

Kiosque des Bolzes in Fribourg

Mattenenglisch — kurios, kreativ, rar

Ganz anders tönt das Berner Mattenenglisch: «Iessech’gre u Iu’tsche ime’ze (Guten Tag und Hallo zusammen)». Die Berner Geheimsprache, auch Ittume-Inglische genannt, entstand im Mattenquartier in der Berner Altstadt. Heute sprechen nur noch ein paar wenige «alte Mätteler» und begeisterte Fans regelmässig Mattenenglisch. Der 1959 gegründete Matteänglisch-Club Bern organisiert Veranstaltungen, bietet Sprachkurse an und gibt eine Zeitschrift heraus.

Als Kommunikationsexperten setzen wir uns täglich mit Sprache auseinander. Von der Formulierung von Strategien und Positionierungen über Content-Produktion bis hin zu Trainings fürs Schreiben und Redigieren. Ich bin überzeugt: Sprache ist ein Grundbaustein wirksamer Kommunikation. Sie verbindet, schafft Identität, vermittelt Botschaften und bringt Komplexes auf den Punkt.

Wieso mich Bolze & Co. faszinieren

Sprachen faszinieren mich aus kultureller und soziologischer Hinsicht. Sondersprachen noch etwas mehr. Sie bieten Identifikation und fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl. Als Bolze sprechende und zweisprachig aufgewachsene Fribourgeoise liegt mir die sprachliche Vielfalt der Schweiz am Herzen. Deshalb verbinde ich immer wieder ein paar Ausflüge mit Sondersprachen. Auf meiner Ausflugsliste für die Schweiz stehen: Bosco-Gurin (Walserdialekt), Wallis (Patois) und Freiburger Oberland (Patois). Auf ein Revival der Sondersprachen!

Bolze-Hörprobe
Auszug aus «D Sùnenenerschyy vam Soleil Blang» von der Freiburger Autorin Fränzi Kern-Egger, vorgelesen von Fabienne Stoll:

Bolze-Hörprobe auf Soundcloud

Weiterführend

Dieser Blogbeitrag erschien in ausführlicher Form auf dem bernetblog.

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La Stoll

Entrepreneur & Creator | Consultant & Coach | Strategist & Conceptor | Purpose & Teal Enthusiastic | Design Thinker http://lastoll.ch/